Über diesen Artikel

Einige von euch haben mich vielleicht auf Instagram entdeckt. Und viele Leser und Autoren sind der Meinung, als Selfpublisher ist man auf Social Media restlos angewiesen und kann es kaum ohne regelmäßige Profilpflege schaffen. Warum also habe ich es geschmissen?
Das erfahrt ihr in diesem Artikel.





Zwei Jahre lang habe ich auf Instagram fast täglich gepostet. Zwei Stunden wendete ich pro Tag in etwa auf, um hochwertige Grafiken mit Photoshop zu erstellen und zu posten.
Schnell fasste ich in der Buchbubble Fuß und wurde in die Bookstagram-Community integriert. Doch das hatte seinen Preis: Ich musste täglich um die hundert Beiträge von anderen liken, um selbst ebenfalls Likes zu erhalten. Das war eigentlich nicht mein Plan gewesen. Eigentlich wollte ich Instagram nutzen, um Werbung für meine eigenen Bücher zu machen. Wie viel Arbeit Networking macht und wie wichtig es ist, beinahe täglich aktiv zu sein, wusste ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht.

Sogar selbsternannte Marketing-Spezialisten empfehlen, Like for Like und Follow for Follow einfach mitzuspielen, da man so schneller Aufmerksamkeit bekommt. Dabei öffnet man damit nur das Tor zur Hölle – und zieht ebenso viele Hater wie Follower an.
Irgendwann konnte ich nicht mehr unterscheiden, welcher Follower nur dabei war, weil er mich gern als vermeintlichen Fan halten mochte und wer zumindest ein einziges Buch von mir gelesen hatte (oder mich wenigstens sympathisch fand oder meinen Namen zuordnen konnte).




Irgendwann im Herbst startete ich eine Gratisaktion zu einem älteren Buch, das nicht mehr gut lief. Ich teilte die Info auf Instagram. Und siehe da, der Beitrag erhielt schon am Vormittag um die 80 Likes, wurde 3x in der Story geteilt – jedoch wurde das Buch in dem Zeitraum der Likes nur 4x heruntergeladen, obwohl es für jeden absolut kostenlos gewesen wäre.
Da wurde mir klar: Auf Instagram wird ausschließlich mit Likes gehandelt. Und das bringt absolut niemandem etwas.




Dass es keinen Ausweg mehr gab, merkte ich an einem eisig kalten und windigen Nachmittag im Januar 2025, an dem ich mich endlich mal wieder aufraffte, an die Nordsee zu fahren. Schon den ganzen Hinweg über kreiselten meine Gedanken fast ausschließlich um Instagram. Ich spielte in meinem Gehirn Beiträge durch, die ich schreiben könnte.

Als ich endlich an meinem Zielort Friedrichskoog-Spitze, meinem Lieblingsort in Schleswig-Holstein, angekommen war, konnte ich es kaum genießen. Es war eiskalt. In mir drin war der Drang, endlich wieder etwas auf Instagram zu posten. Endlich wieder diese Beachtung zu erhalten, in Form von Kommentaren und Likes. Ich glaubte, dass ich süchtig danach war.

Mitten in der Eiseskälte blieb ich stehen. Textete einen Beitrag für Instagram. Kam mir unfassbar dumm dabei vor, denn mir war klar, dass es vermutlich niemanden wirklich interessieren würde, dass die Nordsee zugefrorene Stellen hatte und wunderschön aussah. Warum nur konnte ich den Tag nicht für mich selbst genießen, sondern wollte ihn unbedingt teilen?

Ich schwor mir, Instagram zu löschen, wenn ich es nicht schaffen würde, den restlichen Ausflug mein Handy in der Tasche zu lassen. Und was soll ich sagen: Ich schaffte es nicht. Meine Gedanken hielten keine Minute lang still. Es war ein beklemmendes Gefühl, so wie man sich den Entzug von einer richtig harten Droge vorstellt.




Problem für mich war besonders, dass es manchmal so gut lief. Einige Reels erhielten gleich tausend Views, andere nur dreihundert. Diese Unterschiede in den Aufrufzahlen zerstörten mich innerlich. Nach einem ‚schlechten‘ Reel konnte ich mich kaum entspannen, sondern arbeitete in Hochtouren an einem, das wieder besser laufen sollte.

Dabei wurde mir mehr und mehr klar: Es gibt ein Muster, welche Beiträge gut laufen und welche nicht. Schreibt man über einen Misserfolg oder basht man einen Selfpublishing-Dienstleister oder kotzt sich generell über den Markt aus, dann geht der Beitrag gefühlt durch die Decke und man wird fast den ganzen Tag lang mit Kommentaren bespaßt.

Schreibt man jedoch eine nette Anekdote aus seinem Leben – also das, was man eigentlich mit seinen Lesern teilen möchte – dann geht es mehr oder weniger unter.
Meiner Meinung nach ist das die Konsequenz davon, dass man viele falsche Follower hat, die sich nicht für die Person hinter dem Pseudonym interessieren, sondern die sich nur mit anderen Autoren vergleichen wollen. Für solche Follower sind ausschließlich Misserfolge oder Frust über den Buchmarkt, Marketingtipps und ähnliche Dinge interessant, die jedoch ‚echte‘ Follower möglicherweise kaum interessieren.

Daher, ganz ehrlich: Ich bin froh, Instagram los zu sein. Es hat sich gerade zum Schluss hin nicht mehr ehrlich angefühlt, da hauptsächlich negative Beiträge viel Beachtung fanden.




Anders als man denken könnte, war es unfassbar leicht, Instagram zu löschen und nicht doch heimlich wieder online zu schauen. Auf meinem Handy befindet sich kein Instagram mehr. Vorsorglich habe ich auch Facebook und den Messenger gelöscht, auch wenn ich darauf weniger suchtanfällig reagiert habe.
Instagram war für mich schon im letzten halben Jahr nur noch eine Belastung. Schon als ich beschlossen hatte, mir wieder einen Teilzeitjob zu suchen und mich nicht mehr drauf zu verlassen, dass ich irgendwann vielleicht doch vom Markt gesehen werde, hat sich meine Einstellung zum Schreiben verändert.
Der Druck verschwand, es wurde alles wieder mehr zum Hobby, Verkaufszahlen wurden mir egaler.

Außerdem kaufte ich mir in den ersten Tagen ohne Instagram massenweise Bücher. Ja, richtig. Die freie Zeit, die ich nun nicht mehr mit Instagram vertrödele, investiere ich ins Lesen anderer Bücher, was unfassbar entspannend sein kann.
Gelegentlich spiele ich auch mal wieder auf dem Nintendo 3DS 'Story of Seasons', wenn ich eine Pause vom Schreiben an meinen Büchern brauche.

Ich habe keine Sekunde bisher bereut, diesen Weg gegangen zu sein. Die Leidenschaft am Schreiben ist geblieben. Ich bin nach wie vor Autorin. Allerdings setze ich mich inzwischen weniger unter Druck, erwarte nicht mehr, dass ich es je schaffen werde, vom Schreiben leben zu können. Das brauche ich nun nicht mehr.
Das ausgeglichene Leben, das ich inzwischen habe, durch meine Freiberuflichkeit, entspannende Hobbys wie Gaming und Lesen, meine Teilzeitstelle - alles frei von Social Media und Konkurrenzdruck - bedeutet mir aktuell viel! So kann es gern für immer bleiben.
Ehrlich? Ich habe mich selbst gewundert, dass kein Rückfall kam und ich Instagram keine Sekunde lang vermisste.