
Über diesen Artikel
Ehrlich, schonungslos und 100% echt. Mein erstes Jahr im Selfpublishing war geprägt von Ups and Downs. Alle Details gibt es hier.
Und ja: Ich würde es wieder so machen und liebe Selfpublishing nach wie vor.
Der Buchmarkt ist hart umkämpft. Dennoch glaubte ich, dass es für mich im Selfpublishing am einfachsten sein würde, mitzumischen. Wir schrieben Herbst 2022, als meine Gedanken begannen, immer stärker um dieses Thema zu kreiseln.
Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich von Selfpublishing aus Lesersicht noch nichts mitbekommen. Hatte ich jemals ein Buch gelesen, das nicht von einem Verlag stammte? Meistens las ich Bestseller oder hörte renommierte Hörbücher. Für E-Books hatte ich bislang noch kein Geld ausgegeben.
Daher war ich mir ziemlich unsicher: Konnte ich mich mit Selfpublishing wirklich identifizieren? Kann das Konzept wirklich aufgehen, wenn es an so vielen Menschen einfach vorbeigeht?
Was Selfpublishing einem Autor bietet, ist natürlich vollkommene Entscheidungsfreiheit. Und wenn ich schon versuchen sollte, mich selbstständig zu machen, warum dann nicht mit allen Vorzügen davon? Freiheit und Selbstbestimmtheit waren jedenfalls immer schon genau mein Ding gewesen.
Aber … bevor ich beginnen wollte, mich einem Konzept zu verschreiben, das ich als Kunde nicht ansatzweise kannte, wollte ich den Markt erst einmal aus Lesersicht erkunden.
Ich holte mir also die unterschiedlichsten Bücher: Kinderbücher, Fantasy und Science-Fiction-Romane. Alle Bücher stammten entweder von Selfpublishern oder von sehr kleinen Kleinverlagen.
Das eine Buch war mit Tippfehlern zugetackert - aber ich liebte es, weil die Story mir gefiel. Sie war bunt und abwechslungsreich und durchaus tiefgründig. Ein anderes Buch hatte keinen echten Spannungsbogen, dafür eine krasse Atmosphäre, keine allzu hohe Seitenzahl, sodass es dennoch auf eine gewisse Art kurzweilig war. Wieder andere Bücher lasen sich ähnlich wie Verlagsveröffentlichungen.
Was ich an Büchern von Selfpublishern sehr schnell lieben lernte, war, wie deutlich man einigen von ihnen anmerkte, dass es Herzensprojekte waren. Klar waren auch schlechte Bücher dabei, … aber die guten machten es für mich wieder wett. Ich identifizierte mich mit diesen Büchern, die ich schon in den ersten Wochen gefunden hatte. Ich identifizierte mich mit Selfpublishing, konnte mir vorstellen, dass meine Bücher ähnlich würden wie die, die mir selbst trotz kleiner Abstriche gut gefielen.
Bis März 2023 las ich nichts anderes als Bücher von Selfpublishern. Ich reduzierte dafür sogar meine geliebten Hörbücher. Der Gedanke wurde unausweichlich stärker: Ja, ich würde es wagen.

Ein bisschen bereitete es mir Bauchschmerzen, die Sache mit den Agenturen und Verlagen in den Wind zu pusten. Eigentlich hatte ich mich lange darauf vorbereitet, Autorin zu werden. Ich hatte mich in Foren zu verschiedenen Themen wie Spannungsbogen, Genres, Tropes und Atmosphäre informiert, meine ersten Werke von Testlesern zerreißen lassen und nie damit aufgehört, mich selbst zu hinterfragen und an mir zu arbeiten. Könnte es also sein, dass ein Verlag Interesse an meinen Romanen hätte, wenn er nur wüsste, dass ich welche geschrieben habe?
Aber wenn ich mir die Internetseiten zum Thema Manuskripteinreichung durchlas, auf denen der jeweilige Verlag oft sehr herablassend festlegte, wer ihnen schreiben durfte und wer nicht, verging mir die Lust. Denn der Tonfall war zumindest bei etwa jedem dritten großen (Kinderbuch-)Verlag deutlich ironischer und spöttischer als beispielsweise Stellenangebote auf Jobbörsen. Das machte mir die Entscheidung gegen Verlage und Agenturen relativ leicht. Denn auch, wenn mir klar ist, dass Verlage auch viel Bullshit zugesendet bekommen, sollten sie dabei meiner Meinung nach niemals vergessen, dass die Autoren mit dem Verfassen von Exposé und Leseprobe in Vorleistung gegangen sind und im schlimmsten Fall Jahre in das vollständige Manuskript investiert haben. Da sollte ein respektvoller Tonfall doch wohl das Mindeste sein?!
Trotzdem wollte ich nicht die Idiotin sein, die es nicht mal probiert hatte, sodass ich mit mäßiger Motivation beschloss, Agenturbewerbungen zwar auszulassen, aber immerhin für mein erstes Buch, ein Kinderbuch, noch drei große Publikumsverlage mit Exposé und Leseprobe zu beglücken. Schließlich weiß man nie.
Ich werkelte und werkelte. Drei Projekte hatte ich, die alle bereits fast fertig waren. Ein Kinderbuch, ein Teeniebuch und eine Liebeskomödie. Eigentlich hörte ich bereits aus mehreren Quellen, dass man Kinder- und Jugendbücher im Selfpublishing tendenziell vergessen kann. Also wäre es vielleicht schlau gewesen, direkt mit der Liebeskomödie zu starten. Aber … mir ging es zunächst darum, den Markt für mich abzutasten. Ich wollte sehen, wie man Covers hochlädt, wie man Testleser und richtige Leser gewinnt, wie man Werbung schaltet, wie das alles so abläuft. Somit wurde mein erstes Buch zu einer Art Testprojekt und ich beschloss, meinen Ehrgeiz dabei herunterzufahren und es so locker wie möglich zu sehen.
Nach drei Monaten ohne Rückmeldung der Kinderbuchverlage war für mich klar, dass diese mein Buch nicht wollten und ich konnte es mit gutem Gewissen auf Amazon hochladen! So war es dann. Nachdem ich tagelang brauchte, bis ich mit dem Cover zufrieden war, ließ ich mir endlich einen Probedruck des Kinderbuchs zukommen - und der Release rückte näher (Juni 2023).
Zunächst bot ich das Kinderbuch als E-Book zur Vorbestellung an. Das sollte mir Zeit verschaffen, die gedruckte Ausgabe noch ein wenig zu verbessern, Werbung zu machen und auf Social Media bereits das Cover und den Titel verraten zu können, ohne dass am Ende jemand mir den Titel spontan noch wegschnappte.
Ich war ziemlich gespannt, als die Vorbestellung dann aktiv war und jeder mein Buch theoretisch anklicken und kaufen konnte. Was wohl passieren würde? Bereits zwei oder drei Tage nach dem Upload erfolgte die erste Vorbestellung.
Okay, wenn das so weiterging und alle zwei Tage jemand es vorbestellte, dann konnte das doch nur gut werden. Immerhin lief die Vorbestellung ein paar Wochen. Ich rechnete mir also bereits aus, wie viel ich verdienen würde, machte mir Hoffnung ... doch dann geschah nichts.
Es blieb bei der einen Vorbestellung. So ging ich mit gemischten Gefühlen an den Release. Schlagartig wurde mir klar, dass das alles doch sehr viel härter werden würde als gedacht.
Mein Buch wurde am Releasetag einmal noch gekauft. Insgesamt hatte ich also etwas über 3 Euro verdient mit diesem Buch. Da ich das E-Book für 2,95 Euro auf Amazon veröffentlicht hatte, erhielt ich pro Verkauf in etwa 1,86 Euro Tantiemen. Das wäre okay, wenn regelmäßig Verkäufe zustande kämen.
Meine Ausgaben hatten sich in Grenzen gehalten. Zwar hatte ich zu Übungszwecken ein Manuskriptgutachten und ein Teillektorat der ersten dreißig Seiten angefordert, hatte aber schon ganz zu Beginn beschlossen, das nicht dem Buch anzurechnen, da das eben eine Fortbildungsmaßnahme für mich war, die mir auch für nachfolgende Bücher noch hilft.
Für das Manuskriptgutachten hatte ich 80 Euro bezahlt und für das Teillektorat 150 Euro.
Dazu kamen noch die etwa vier Probedrucke zu jeweils rund 5 Euro, die es brauchte, bis ich mit Coverdesign und Buchsatz für die Printausgabe klargekommen war. Außerdem hatte ich auch auf Instagram eine Werbeanzeige geschaltet, für einen Euro am Tag, fünf Tage lang. Gesamtausgaben? 25 Euro für das Buch, 230 Euro für Lektorat und Gutachten.
Dagegen standen zu Beginn erst einmal nur 3 Euro Einnahmen.
Tja. Selfpublishing, der schnelle Weg zum Geld oder doch eher ein Verlustgeschäft?
Ich beschloss, beim ersten Buch noch nicht so genau zu nehmen, wie viel ich investierte. Ich wollte trotzdem alles probiert haben, um die Wirkung besser einschätzen zu können. Gerade zu Beginn wollte ich die Investitionen daher als Lehrgeld verbuchen - nicht zuletzt, um mich selbst nach dieser Enttäuschung des miesen Releases wieder ein wenig aufzumuntern.
So motivierte ich mich trotz roter Zahlen recht schnell wieder. Ein paar Buchverkäufe kamen im ersten Monat noch nach, aber mehr als 15 Euro wurde es erst einmal nicht.

Ich muss gestehen, dass ich nach meinem ersten Buch irgendwie enttäuscht war. Eins vorweg: Ich hatte nie angestrebt, reich und berühmt zu werden. Ich hatte es auch nicht erwartet und hätte es nicht einmal gebraucht!
Aber nachdem in diversen Internetforen so viele Autoren von 10.000 Euro träumen, hielt ich mich mit meiner Sehnsucht nach 500 Euro pro Buch beinahe noch für bodenständig. Ich fühlte mich auf eine seltsame Weise bloßgestellt, als ich nur einen Bruchteil davon bekam. Als hätte es mir von Beginn an klar sein müssen.
Dass absolut gar nichts passiert, ist leider immer realistischer, als auf ein Wunder zu hoffen. Und egal, wie sehr man es sich wünscht: Oft ist es genau das, was einen eben erwartet: nichts. Besonders, wenn der Werbeeinsatz auf 5 Euro begrenzt geblieben ist, man das Cover selbst erstellt hat und zu allem Ungut auch noch ein Kinderbuch geschrieben hat.
Doch nach all den Strapazen, nach beinahe zwei Jahren Aufwand für das Erlernen des Schreibhandwerks, des aufmerksamen Lesens von anderen Büchern, des Testlesens und Rezensierens, ... - hätte ich doch mit etwas mehr als 15 Euro Einnahmen im ersten Monat gerechnet. Denn auch wenn mein Buch in eine Nische fällt, hat es eine gewisse Qualität und wurde tatsächlich nicht nur für mich, sondern auch für den Markt geschrieben!
Aufgeben war für mich jedoch keine Option. Das führte nun zu der Frage: Was konnte ich tun, um das alles zu verbessern?
Ich traute mich nicht, irgendwem im Freundeskreis mein Pseudonym zu verraten, da ich keine Ahnung hatte, ob ich es hinterher nicht bereuen würde. Ich dachte mir, wenn ich schon falle, dann lieber heimlich, allein.
Zwar war ich zu dem Zeitpunkt bereits auf Instagram aktiv und hatte auch um die 300 Follower, aber direkte Nachrichtenkontakte mied ich, da ich es einfach nur für mich selbst einmal austesten wollte.
Ich war schon ein wenig allein mit all dem Mist. Verdammte Introvertiertheit, verdammte Unsicherheit. Es ist wirklich nicht leicht, Werbung zu machen, wenn man eigentlich nicht gesehen werden will.
Trotzdem überarbeitete ich mit neuer Kraft bald darauf mein zweites Buch und ich dachte mir, was soll's: Auf ein Neues! Es dauerte nicht allzu lang, da vergaß ich den Ärger und freute mich auf den Release meines zweiten Buchs. Es wurde ein Teeniebuch. Ich engagierte mich dazu auch wieder stärker auf Instagram, postete viele Textschnipsel und setzte alles daran, Aufmerksamkeit auf mein nächstes Buch zu lenken - und einfach noch mal alles zu geben.

Was mir bei meinem zweiten Buch große Hoffnung machte, war, dass ich wirklich viele Buchbloggeranfragen erhielt. Während ich bei meinem ersten Buch zu spät mit der Suche nach Buchbloggern angefangen hatte, hatte ich bei meinem zweiten direkt einen Aufruf gemacht - auf Instagram, mit diversen Hashtags, die in die Richtung #buchbloggergesucht gingen.
Und so kam es, dass ich sieben Interessenten mein Buch zukommen ließ. Das positive Feedback gab mir das Gefühl, zumindest irgendwas richtig gemacht zu haben. Außerdem gaben mir die Buchblogger schon sehr schnell eine Rückmeldung und lasen das Buch innerhalb kürzester Zeit.
Bei meinem ersten Buch hatte ich - auf Anraten eines Instagramkontakts - drei Buchbloggerinnen selbst angeschrieben und sie um ein Feedback gebeten. Das hatte mir dann natürlich immerhin drei Rezensionen eingebracht, allerdings hatte ich kein so gutes Gefühl dabei, mich mehr oder weniger aufgezwungen zu haben.
Auf einen Aufruf Reaktionen zu erhalten, fühlt sich besser an. Wobei es bestimmt Sinn macht, Buchblogger mit einer ähnlichen Zielgruppe wie der eigenen auf seine Werke hinzuweisen, denn nur dann bekommt man eine Chance.
Genau das ist eben auch das, was ich ganz zu Beginn angesprochen habe: Man kann bei seinem ersten Buch noch nicht alles wissen. Im Selfpublishing muss man so viele Dinge gleichzeitig managen, dass klar ist: Man wird vieles nur lernen, indem man es tut. Man darf keine Angst haben, irgendwas auch mal falsch zu machen oder ganz zu verpassen. Die ersten Bücher sind eine Investition in das Lernen, weil man bestimmt hier und da beim Marketing pfuschen wird und nicht so viel aus dem Buch rausholen wird, wie man könnte.
Ich spürte, wie ich zumindest in diesen ganz banalen Dingen wie Ankündigungen Routine bekam, und mir das ganze organisatorische Drumrum sogar bis zu einem gewissen Grad Spaß machte.
Ich sah mich nicht mehr als ‘Autorin, die es nicht geschafft hatte’, sondern als ‘Azubi, der noch ganz viel lernen konnte’.
Das tat mir irgendwie gut, weil der Fortschritt so spürbar war. Es wurde alles so viel einfacher, allein dadurch, dass ich dranblieb. Das Cover meines zweiten Buchs war mir leichter gefallen, die Instagrambeiträge gingen schneller. Ich konnte besser einschätzen, wie viel Zeit ich für welchen Schritt brauchen würde. Ich spürte einfach diesen Auftrieb, der mir mehr wert war, als die bisher verpassten Einnahmen.
Doch dann wurde auf Instagram immer mehr vor dem näherrückenden Sommerloch gewarnt. Und ich dachte mir: Ernsthaft? Noch eine Hürde?
Mein zweites Buch erschien in eben diesem Sommerloch, Mitte Juli. Es hatte zwei Vorbestellungen darauf gegeben und am Releasetag wurde mein Buch noch zwei weitere Male gekauft. Die Einnahmen betrugen also rund 7 Euro. Okay. Das mit dem ‘vom Schreiben leben’ war noch immer in weiter Ferne. In sehr, sehr weiter Ferne!

Im Laufe des Julis dröppelten noch ein paar Euro für meine beiden ersten Bücher rein. Alle paar Tage wurde das Kinderbuch gekauft. Das Teeniebuch wurde manchmal im Kindle Unlimited gelesen und deutlich seltener gekauft - brachte insgesamt also weniger ein als das Kinderbuch.
Ich konnte mich darüber nicht ärgern, weil ich ziemlich unter Strom stand, mein drittes Buch fertig zu bekommen. Bei meinem dritten Buch handelt es sich um eine Liebeskomödie für Erwachsene. Ich dachte mir, vielleicht wäre das das erste Buch, mit dem ich auf dem Selfpublishermarkt wirklich eine Chance hätte. Immerhin verkauft sich Romance neben Thrillern wohl mit am besten - wohingegen ja bei Kinderbüchern und Jugendbüchern immer wieder erzählt wird, dass so etwas hauptsächlich im Buchhandel gekauft wird und schon gar nicht als E-Book. Obwohl die große Hoffnung auf Ruhm und Geld in mir drin zwar bereits gänzlich erloschen war, spürte ich also trotzdem noch ein ganz vorsichtiges Lodern der letzten Flammen.
Plötzlich kam eine seltsame Phase: Mein Kinderbuch wurde fast zwei Wochen lang beinahe jeden Tag gekauft. Das hing wohl mit den Sommerferien zusammen oder vielleicht hatten Kinder sich das privat weiterempfohlen … keine Ahnung. Ich hatte jedenfalls keine Werbung gemacht - schließlich hatte ich mich auf Instagram auf mein zweites Buch konzentriert und auch mit der Werbung zu dem neuen Buch bereits begonnen, sodass für Buch eins keine Kapazitäten mehr geblieben waren. Ich war super traurig, als die Phase der regelmäßigen Verkäufe dann wieder vorbei war. Das hätte für meinen Geschmack auch so weitergehen können. Aber immerhin hatte ich dadurch dann weitere 10 Euro um den Dreh eingespielt ... und man lernt im Selfpublishing ziemlich schnell, über wenig zu jubeln.
Ich bangte im Anschluss ein wenig, ob jetzt irgendwer von diesen Leuten negative Rezensionen hinterlassen würde … nichts davon geschah. Mein Buch behielt seine Bewertungszahl, sank nur im Ranking wieder ab. Jetzt hatte das erste Buch zumindest die Kosten für die Probedrucke so pi mal Daumen wieder eingespielt! Ich wertete es als gutes Zeichen - dass Bücher auch nach den ersten Releasewochen noch mal plötzlich einen Aufschwung erleben konnten. Ich beschloss, in Zukunft weniger voreilige Schlüsse zu ziehen, sondern mehr zu akzeptieren, dass Bücher wohl alle irgendwelchen natürlichen Schwankungen unterliegen, auf die wir keinen Einfluss haben. Der Amazonalgorithmus kann mitunter sehr eigenwillig sein!

Als mein drittes Buch erschien, war mir der Release egal. Ich hatte es satt, auf viele Verkäufe zu hoffen, wenn es in Wahrheit dann doch nur ein oder zwei wurden. Ich war es schon zu gewohnt, fast täglich ins Amazon-Dashboard zu sehen und dann nichts als '0,00 Euro, 0 Bestellungen, 0 gelesene Seiten' dort zu lesen.
Aber hey. Irgendwie konnte ich es am Releasetag dann doch nicht lassen.
Ich fiel fast vom Stuhl, als ich sah, dass es 2x gekauft worden war und 700 gelesene Seiten im Kindle Unlimited bekommen hatte. Und das mitten im August, im ach-so-gefürchteten Sommerloch?
Okay, finanziell gesehen waren 2 Verkäufe und 700 gelesene Seiten jetzt auch nicht so viel mehr als bei den ersten beiden Büchern. Am meisten haben sich bei meiner Liebeskomödie noch die 6 Vorbestellungen rentiert.
Aber 700 gelesene Seiten? Ich fragte mich, ob irgendwer es dann schon ganz zu Ende gelesen hatte - oder ob die 700 Seiten sich auf verdammt viele Abbrecher verteilten.
Ich weiß, dass das übertrieben klingt.
Wie kann man sich nur so über 700 gelesene Seiten freuen? Das sind weniger als 5 Euro!
Aber … es bedeutet, dass das, was ich in mühsamer Arbeit und mit viel Herzblut geschrieben hatte, endlich irgendwo angekommen war. Es war der Beweis dafür, dass da jetzt wirklich Leute saßen und direkt am Release Zeit für mein Buch gefunden hatten. Bei Käufen wusste man eben nie, ob das Buch direkt gelesen wurde, ob es abgebrochen wurde oder nur auf einem riesigen Stapel ungelesener Bücher landete - oder direkt auf dem Flohmarkt.
Hingegen gelesene Seiten (über Kindle Unlimited) waren ein eindeutiges - ganz eindeutiges - Zeichen dafür, dass jemand eben wirklich las! Obgleich das natürlich auch bei meinen ersten beiden Büchern bereits geschehen war, dass es gelesene Seiten gab: Es waren nie so viele am Stück! Es waren nie mehrere Leute gleichzeitig pro Tag (glaube ich!).
Einerseits war das, was ich mit meinem dritten Buch erlebte, ein richtig schönes Gefühl - eben das, was ich wollte: gelesen werden.
Andererseits wurde mir bewusst, wie schwer es wirklich war, auch noch den nächsten Schritt zu schaffen: vom Schreiben leben zu können. Mal ehrlich: Konnte ich jemals mehr erwarten, als dass sich drei bis vier Leute pro Tag mit meinem Buch auseinandersetzten? Aber ... rechnet man die Einnahmen mal hoch, dann merkt man, wie schwierig es werden würde, wirklich einen ernsthaften Nebenerwerb daraus zu machen. Selbst wenn ich täglich 5 Euro verdienen würde, was mir in dieser Phase beinahe schon realistisch erschien - es wäre zu wenig.
Trotz positivem Erlebnis wurde mir klar: Am Ziel war ich noch lange nicht.

In den darauffolgenden Tagen erlebte ich etwas für mich sehr Außergewöhnliches: Jeden Tag kamen Tantiemen zustande. Verkäufe waren zwar super rar, aber so gut wie jeden Tag wurden von meinem Buch einige Seiten im Kindle Unlimited gelesen, meistens über 100.
Klar war da immer noch die Frage: Waren diese gelesenen Seiten alle von einer Person? Oder von ganz vielen Abbrechern? Und obwohl man das leider nicht so genau sagen kann - Amazon stellt dazu schließlich keine Daten bereit - war ich überzeugt, dass mein Buch gut genug wäre, um gelesen zu werden. Von vorne bis hinten.
Dass nun endlich täglich etwas im Dashboard geschah, lieferte mir den Beweis, auf den ich so lange vergebens gehofft hatte - und ich war bereit, mich an diesen winzigen Strohhalm zu klammern: mein Buch wurde gelesen!
Ich hatte mich vor der Veröffentlichung über ein Jahr mit dem Schreibhandwerk befasst. Und hey. Ich weiß doch, was ein Spannungsbogen ist. Außerdem plottete ich, sodass ich behaupten würde, die Handlung in meinen Büchern verliert sich nicht, sondern ist schlüssig und durchdacht. Klar ging ich einfach davon aus, dass mein Buch kurzweilig genug war, dass es Menschen unterhielt.
Sagen wir es so: Mein Selbstbewusstsein stärkte sich durch die regelmäßigen Aktivitäten im Dashboard sehr. Ich wusste, dass ich keine komplette Anfängerin mehr war, sondern den ersten Schritt hinter mir hatte. Dass ich endlich gelesen wurde.
Ist es manchmal nicht unglaublich wichtig, sich selbst zu loben und sich anzuerkennen, für das, was man bereits hinter sich gebracht hat? Das tat ich in diesen Wochen nach dem Release meines zweiten Buchs. Und es war eine unfassbar schöne Zeit.
Wenn ich anderen Menschen von diesen Erfolgen berichtete, wurde ich natürlich schräg angeschaut. Denn es war finanziell gesehen wenig. Unfassbar wenig. Doch ich sah den Fortschritt: Das große MEHR im Vergleich zu den Büchern davor. Und darüber freute ich mich nun einmal, wie lachhaft das auf mein Umfeld auch wirken musste.
Der Weg vor mir war natürlich dennoch hart und steinig - und das wusste ich, denn für immer würde das Buch natürlich auch nicht sichtbar bleiben - und 100 gelesene Seiten am Tag brachten noch nicht einmal einen Euro ein! Aber zumindest wusste ich dadurch, dass es möglich war, gelesen zu werden. Dass mein Buch dazu gut genug war. Dass meine selbst gebastelten Covers dazu gut genug waren.
Ich verdiente eine Zeit lang jeden Tag zwischen 50 Cent und 2 Euro mit dem Buch.
Nach etwas über einem Monat erschien dann im Herbst mein viertes Buch und ich hoffte nun, dass es einen ebenso guten Release hinlegen würde, sodass sich die Einnahmen dann einfach verdoppelten. Doch hey. Vermutlich war es nach all der Freude und ungehemmter Selbstbeweihräucherung einfach mal wieder an der Zeit für einen kleinen Rückschlag.
Mein viertes Buch erschien. Ich muss gestehen, dass ich diesmal zum ersten Mal keine Buchblogger dafür hatte. Der Grund dafür war schlichtweg, dass ich den Erscheinungstermin so knapp gesetzt hatte, dass ich für alles andere keine Zeit mehr hatte, außer das Buch gerade so fertig zu bekommen. Priorität hatte dann einfach der Inhalt, die sprachliche Überarbeitung - und das Buch selbst. Alles andere, was Marketing betraf, lieferte ich dieses Mal also nicht.
War vermutlich keine so tolle Entscheidung. Der Release floppte.
Ein paar hundert gelesene Seiten gab es, doch zum ersten Mal keinen einzigen Kauf. Eine Vorbestellung konnte ich davor immerhin erzielen ... und das, obwohl das Sommerloch doch eigentlich schon vorbei war - und der Herbst begonnen hatte. Die beste Zeit zum Lesen - oder etwa nicht?
Ich stellte fest, dass das Buch irgendwie in die Kategorie ‘Privatdetektive’ gerutscht war und das, obwohl es eigentlich ein Liebesroman war. Der Love Interest ist Privatdetektiv, aber das Buch dennoch kein Krimi. Ich verzweifelte ein wenig, da ich mir nicht einmal mehr sicher war, ob ich selbst diese Kategorie versehentlich gewählt hatte oder ob Amazon es anhand der Keywords dort automatisch einsortiert hatte. Jedenfalls war der Support nicht bereit, mein Buch anders zu listen und so blieb alles so wenig erfolgsversprechend, wie es begonnen hatte.
Ich merkte, dass Marketing immer noch nicht mein Ding war. Und dass mir das alles ziemlich nah ging, da ich so verdammt viel Zeit investiert hatte, um überhaupt so viele Bücher in nur einem Jahr zum Abschluss bringen zu können.
Waren Vorbestellungen für Neulinge auf dem Markt vielleicht einfach überbewertet? Einerseits konnte man sich damit selbst gut Druck machen, das Buch auch wirklich fertig zu schreiben und glaubt mir: Dem Druck entkommt man nicht. Man wird alles geben und es sich zweimal überlegen, ob man trödelt, wenn es einen klar definierten Termin gibt!
Aber wenn ohnehin nur eine Vorbestellung erzielt wird, und am Ende das Marketing unter dem massiven Zeitdruck leidet, schießt man sich schnell ins eigene Knie, so wie bei mir geschehen.
Das vierte (zu dem Zeitpunkt aktuellste) Buch rutschte im Ranking ab und fand kaum mehr Beachtung. Es hatte trotz des vielversprechenden Romance-Genres sogar einen schlechteren Start hingelegt als mein Kinder- und Teeniebuch zuvor!
Tja und als ob das nicht schon schlimm genug war, passierte wenige Tage später dann genau das, wovor ich eigentlich schon die ganze Zeit Angst gehabt hatte: Ich bekam meine erste negative Bewertung.
Mein drittes und erfolgreichstes Buch erhielt eine 1-Sternchen-Bewertung. Zumindest handelte es sich nur um eine Bewertung - ohne Rezension - was so für mich nervenschonender war, als wenn eine endlos lange fiese Rezension mitgeliefert worden wäre!

Das Sternchen-Ranking von meinem dritten Buch sank durch die 1-Sternchen-Bewertung von 4,4 Sternchen auf 3,7 Sternchen, bei nun 7 Bewertungen. Und welch Wunder: Der Tag dieser Bewertung war der erste, an dem es 0 gelesene Seiten erhielt und ich nach Wochen mal wieder von dieser idiotischen 0 angeblinkt wurde.
0 Verkäufe. 0 gelesene Seiten. 0,00 Euro verdient.
Sollte es das jetzt gewesen sein? Ein einziger Grantler, der einem mit einem Knopfdruck alles nehmen konnte, was man sich davor in monatelanger Arbeit aufgebaut hatte … ist das fair? Wie konnte ich mich dagegen nun wehren oder in Zukunft gegen so etwas absichern?
Bitte nicht falsch verstehen. Ich hätte nicht erwartet, dass jeder mein Buch lieben und mit 5 Sternchen in den Himmel loben würde. Aber wenn ein Buch richtig formatiert ist, kaum Rechtschreibfehler enthält und der Autor zumindest keine poetischen Schwurbelungen verwendet hat, um den Leser damit zu verwirren, sollten doch zumindest 3 Sternchen drin sein. 3 Sternchen dafür, dass die Grundlagen, die ein Buch ausmachen, passen, aber der Leser beispielsweise das Thema nicht mochte, die Handlung an einigen Stellen abgedroschen fand oder mit der Heldin nicht so gut klarkam. Damit muss ein Autor leben können! Aber 1 Sternchen ist einfach so bitter, weil es so verdammt vieles kaputt macht, auch wenn das Buch davor gut bewertet wurde.
Alles, was mir realistisch gesehen blieb, um mein zerstörtes Sternchen-Ranking zu retten, war, mein Buch für einen kurzen Zeitraum kostenlos anzubieten. Das ist auf Amazon eine beliebte Werbeaktion, die auch Autoren nichts kostet und die alle drei Monate lang bis zu fünf Tage durchgeführt werden kann.
Ich atmete tief durch und überlegte mir, ob es das nur noch schlimmer machte. Denn hey. Wenn ich mein Buch kostenlos anbot für einen gewissen Zeitraum, dann würde es vermutlich deutlich öfter gelesen werden. Es stand damit also alles auf dem Spiel: Entweder, das Sternchen-Ranking stabilisierte sich wieder auf 4 Sternchen - oder es crashte noch weiter.
Ich beschloss, es zu riskieren, und bot das Buch kostenlos für drei Tage an. Am ersten Tag kam bereits nach wenigen Stunden eine ausgleichende 4-Sternchen-Bewertung, sodass aus den verhassten 3,7 Sternchen wieder passable 3,9 wurden. Erleichterung machte sich in mir breit. Mit etwas Glück hatte diese Gratis-Aktion zur Folge, dass das Buch sich jetzt stärker mit anderen Büchern verlinkte. Denn so viel Aufmerksamkeit wie in dieser Zeit hatte es bislang nicht erhalten. Es wurde beinahe im Fünfminutentakt heruntergeladen!

Ich litt emotional sehr während der Gratis-Aktion. Es war so ein Dauerkribbeln, das ich an diesen drei Tagen mit mir trug. Jede Minute könnte etwas passieren. Jeden Moment könnte eine neue Bewertung reinkommen. Jeden Tag wurde man gesehen und bewertet. Und wenn ich nun endlich mehr Sichtbarkeit erhalten sollte - stand ich dann nicht auch gleichzeitig mehr denn je auf dem früher so verhassten Präsentierteller?
Man braucht viel Routine, bis einen das nicht mehr nervös macht.
Bis zu diesem Punkt hatte ich die Öffentlichkeit, in der man selbst als unbekannter Autor schon steht, nicht so stark gewichtet. Autor werden, was heißt das schon? Wie seltsam es sich anfühlt, versteht man erst, wenn man es erlebt. Auch wenn man nicht reich davon wird, wird man jeden Tag gelesen. Jeden Tag befasst sich ein Fremder mit den geistigen Ergüssen, die man zu Papier gebracht hat. Man wird bewertet, muss ständig bangen, nicht gut genug gewesen zu sein.
Es ist definitiv anders, als wenn man Feedback in seiner Festanstellung erhält. Denn Auftragsarbeiten sind nicht auf dem eigenen Mist gewachsen und sprechen einem nicht aus tiefster Seele. Über solche Arbeiten (beispielsweise das Erstellen einer Excel-Liste zu einem Thema) kann man völlig emotionslos reden. Wenn jedoch die eigenen Bücher plötzlich auf dem Pranger stehen - Herzensprojekte, die persönliche Themen behandeln, die mich wochenlang in meinen Gedanken begleitet haben - sehe ich Kritik dann auch noch so locker?
Und hey: Wenn man nicht einmal ein Verlagslogo auf seinem Buch hat, dann steht man erst recht in vollster Ungewissheit da. Denn niemand hat einem je gesagt, dass man gut genug ist. Man muss sich das jeden Tag aufs Neue verdienen und es wird jeden Tag aufs Neue geprüft - von den Lesern da draußen.
Bereue ich es, den Weg des Selfpublishings gegangen zu sein? Nein. Ich bereue nicht einmal, dass ich dachte, es wäre einfacher - denn wer weiß, ob ich es mir sonst angetan hätte. Was ich hasse, ist einzig und allein die Meinung vieler, dass Selfpublishing der einfache Weg wäre. Oder schlimmer noch: die Aussage von Außenstehenden, dass es doch nur ein Hobby ist. Für viele Autoren ist Selfpublishing genauso ernst wie für andere die Suche nach einem Verlag. Es ist der Versuch, sein Hobby zum Beruf zu machen. Und viele investieren wahlweise viel Geld oder wie ich: alle Zeit und alle Nerven, die man aufbringen kann.
Bitte glaubt nicht, es wäre einfach! Das Schreiben und Veröffentlichen von Romanen ist eine Bestimmung. Es ist eine Herausforderung. Ja, es ist innerlich sogar unfassbar befriedigend! Aber es ist nicht einfach.

Die Gratisaktion zu meinem dritten Buch zeigte mir, wie wenig ich über den ganzen Markt noch wusste. Manchmal denke ich, wenn man den Buchmarkt mit all seinen Abgründen kennenlernen mag, bleibt einem nichts anderes übrig, als Selfpublishing zu betreiben.
Angeregt dadurch, dass meine Aufmerksamkeit nun auf Gratisaktionen gelenkt wurde, beschloss ich, mir selbst ebenfalls kostenlose E-Books herunterzuladen. Mir war das alles bis zu dem Zeitpunkt auch aus Lesersicht noch nicht bekannt gewesen. Ich muss jedoch sagen, dass das seinen Reiz hat. Die Auswahl an kostenlosen E-Books ist auf den ersten Blick recht groß. Natürlich wird einem dadurch umso mehr bewusst, wie sehr man als Selfpublisher auf die Sympathie seiner Leser angewiesen ist. Denn Bücher gibt es so viele kostenlos, dass der Leser bis an sein Lebensende mit Lesestoff versorgt wäre, würde er es darauf anlegen, nie wieder Geld für ein Buch zu bezahlen. Diese Beobachtung finde ich … beunruhigend, muss ich sagen.
Für mich wurde nun auch klarer, wie Bücher trotz 'mittelmäßigem' Cover an so viele Bewertungen kommen. Es werden vermutlich einfach viele gut beworbene Gratisaktionen durchgeführt. Also 1000 Bewertungen sagen noch lange nicht aus, dass ein Autor reich und berühmt geworden ist.
Meine eigenen Gratisaktionen waren natürlich äußerst schlecht beworben, denn ich hatte es nicht einmal auf Instagram angekündigt und niemandem davon erzählt. Ich wollte es erst mal im stillen Kämmerlein für mich testen, ehe ich mir wieder falsche Hoffnungen machte. Insgesamt war es für mich jedenfalls unfassbar erleichternd, dass ich den 'Trick', wie man schnell an Sichtbarkeit kommt, endlich verstanden hatte. Denn ja. Es kann zermürbend sein, sich mit anderen zu vergleichen und zu sehen, wie deutlich hässlichere Covers auf mehr als 100 Bewertungen kommen, während man selbst auch nach Wochen noch bei unter 10 Bewertungen stagniert.
Meiner Erfahrung nach sind die Bewertungen, die man durch Gratisaktionen erhält, größtenteils fair. Zwar schreibt nicht jeder, der sich ein Buch gratis herunterlädt, dann auch eine Rezension - aber mit einer Handvoll Bewertungen pro 100 Downloads kann man schon rechnen. Wenn man vor so einer Aktion sehr viele gute Bewertungen hatte, wird die Gratisaktion einem das Sternchen-Ranking vielleicht ein wenig verhageln. Denn während Buchblogger, die mit dem Autor persönlich (über Instagram oder ähnliches) in Kontakt stehen, noch eher aus Sympathie um 1 Sternchen aufrunden, werden fremde Menschen, die anonym bleiben können, das mit Sicherheit nicht tun.
Es hat also alles zwei Seiten. Mehr Sichtbarkeit bedeutet eben auch mehr Nervenchaos. Aber hey. Irgendwie muss man ja herausfinden, wie viel man sich nervlich zumuten mag, was es einem wert ist! Es ist keine Schande, wenn man beschließt, es hinterher nie wieder zu tun!

Die Gratisaktion, die ich durchgeführt hatte, lohnte sich recht schnell - aber nur ein bisschen. Zum einen war das Sternchen-Ranking von meinem dritten Buch bald gerettet und weiter gefestigt, durch circa zehn neue Bewertungen. Zum anderen kamen wieder regelmäßiger Verkäufe rein. Das Beste jedoch war, dass auch mein viertes Buch, das ich dann ebenfalls zwei Tage gratis anbot, endlich Sichtbarkeit erlangte. Davor war es gänzlich unsichtbar gewesen. Nach der Aktion brachte es zwischen 50 Cent und 1,50 Euro pro Tag ein. Zusammen mit dem dritten Buch war ich dann eigentlich recht sicher immer über einem Euro und bis etwa zwei Euro am Tag. Viel ist das zwar immer noch nicht. Aber hey. Es geht hier in diesem Blog immerhin um meine Anfänge.
Jedenfalls merkte ich nach den Gratisaktionen sehr schnell, dass ich ein Gespür für den Markt entwickelte und nicht mehr ganz so machtlos dastand, wie noch ganz zu Beginn. Vieles erfordert großen Mut. Wenn man ganz am Anfang steht, hadert man mit sich, ob man schon so weit ist. Ob man die Sichtbarkeit, die man bekommen würde, überhaupt zu dem Zeitpunkt schon ertragen würde. Ob man es verkraften würde, eine negative Rezension zu erhalten, ob man überhaupt bereit ist, sein Buch mit anderen fremden Menschen zu teilen. Oder ob man nicht doch lieber weiter davon träumen sollte, Autor zu werden, statt es umzusetzen. Ein klares Richtig oder Falsch gibt es hier nicht. Denn letztendlich ist Autor ein Fleißjob - wie jeder andere auch. Die wenigen Autoren, die tatsächlich als digitale Nomaden leben können und sich über Geld keine Sorgen mehr machen müssen, sind zwar in aller Munde, aber es sind eben nur so wenige im Vergleich zu den vielen anderen, die irgendwann das Handtuch werfen.
Ich persönlich wollte es probiert haben. Ich will mit gutem Gewissen sagen können, dass ich alles gegeben habe. Ich weiß, dass ich an mir arbeite, wann immer mir etwas auffällt, was noch nicht ausgereift genug ist. Dieser Leitsatz, diese Neugierde, es einfach wissen zu wollen, war von Beginn an mein Antrieb, weshalb ich trotz Introvertiertheit, trotz Angst vor Blamagen einfach weitermachte und nichts unversucht ließ, es doch noch zu schaffen.
Es war manchmal schwer, mich zu motivieren. Ich kam mir vor, als würde ich einzelnen Cents hinterherlaufen. Bekannten und Freunden hielt ich manchmal mein Handy unter die Nase und rief ganz euphorisch, ich hätte schon 70 Cent heute mit meinen Büchern verdient. Dann wurden daraus 1,70 Euro und das war für mich damals viel. Niemand verstand es. Niemand klatschte Beifall. Die anderen sahen nur die lächerlich niedrigen Zahlen, während ich die Steigerung sah - in Prozent. Und die war ordentlich. Immer. Seit dem dritten Buch schon.
Wichtig ist, dass man niemals vergisst, dass das alles erst der Anfang ist und noch so verdammt viel kommen kann - wenn man dran bleibt, wenn man nicht aufgibt, wenn man nicht aufhört, an sich zu glauben.

Ebenfalls im Herbst 2023 beschloss ich, zum ersten Mal in meinem Leben eine Buchmesse zu besuchen. Und zwar nicht irgendeine, sondern direkt die Frankfurter Buchmesse. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, was mich dort erwarten würde. Eine befreundete Autorin klärte mich darüber auf, dass man als Autorin zusätzlich zu den Besuchertagen (für Leser) auch noch auf die Fachtage gehen könnte. Zwar hatte ich weder vor, mit Verlagen zu netzwerken, noch wollte ich selbst einen Stand mieten. Aber es reizte mich immens, auch diese Erfahrung zu sammeln und einfach noch mehr Blut zu lecken, mich noch stärker mit dem Leben als Autorin zu identifizieren. Jedenfalls war die oben genannte andere Autorin, die sich im Gegensatz zu mir um Verlagsbewerbungen bemühte, ziemlich auf dem Laufenden, was es Pitch-Events von Verlagen und ähnliche Veranstaltungen anging. Ich selbst wollte eigentlich - trotz strapazierter Nerven - um jeden Preis im Selfpublishing weiter vorankommen, statt dann doch an einem Verlag hängenzubleiben. Aber ich sagte der anderen Autorin zu, ebenfalls an den Events teilzunehmen. Einfach aus Neugierde, um auch hier weitere Einblicke zu erhalten. Unsere Pitches zum Thema Sportromanze wurden leider abgelehnt. Aber sei es drum, das Buch werde ich trotzdem schreiben ... nächstes Jahr!
Die Messe wurde bunt und spannend. Ich lernte viel, auch der Austausch mit der anderen Autorin gab mir neue Erkenntnisse und neue Motivation. Ja, wir sind nun Autorinnen! Ich fühlte mich auch immer mehr so, nicht mehr wie die Anfängerin, die ich vor dem Release meines ersten Buchs noch gewesen war.
Das stärkste Aha-Erlebnis für mich war es, so viele Covers und Klappentexte in geballter Ladung zusammen ausgestellt zu sehen. Natürlich, das gibt es im Buchladen ebenso. Aber auf der Messe sieht man direkt auf einen Blick, was einen Verlag ausmacht - und eben auch, welche Qualität Covers und Klappentexte haben. Gerade bei Kleinverlagen variiert die Qualität sehr stark. Wenn man sich bei einem Kleinverlag bewerben möchte, könnten Buchmessen daher besonders hilfreich sein, um eine gute Entscheidung für sich und sein Buch zu treffen!
Bei vielen Büchern bemerkte ich, dass hier unglaubliches Potenzial verschenkt wurde. Wieder andere hätte ich am liebsten sofort gekauft, so ansprechend sahen sie aus und so schlug der Klappentext ein. Es ist außerdem eine tolle Praxisübung, zu vergleichen, welche Covers man für gut hält und warum. Mit den Erkenntnissen kann man auch für sich selbst neue Schlüsse ziehen, was man an den eigenen Covers und Klappentexten noch verbessern könnte.
Das war meine Haupterkenntnis von der Messe: immer wachsam bleiben, nie stehen bleiben, nie zufrieden sein, es geht immer noch mehr.

Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass es ‘okay’ im Selfpublishing nicht gibt. ‘Okay’ bedeutet, dass man übersehen wird. Man muss auffallen und am besten direkt durch die Decke gehen. Doch von null an da hinzukommen, nur durch den Inhalt des Buchs und ein ‘passables’ Cover, einen nicht allzu abschreckenden Klappentext, ist Größenwahn. Und ja, ich war größenwahnsinnig. Ich wusste nicht, wie krass die Ergebnisse wirklich auseinanderklaffen. Wie groß die Unterschiede wirklich sind, zwischen einem Buch, das 15 Euro am Tag einbringt und einem, das 50 Cent am Tag einbringt.
Eine wichtige weitere Erkenntnis war zudem: Jedes Buch ist eine neue Chance. Mal floppt ein Release. Dann wiederum läuft es von Beginn an passabel. Manche Bücher verkaufen sich eine Zeit lang gar nicht und kommen dann nach einigen Wochen plötzlich wieder hoch und halten sich - ebenfalls ein paar Wochen.
Man kann versuchen, so viel davon wie möglich zu beeinflussen. Aber zu einem gewissen Grad bleibt es immer eine Lotterie. Man konkurriert mit so vielen anderen Autoren. Wenn man Pech hat, gibt es einfach zu viele Releases an dem Tag, an dem man seine erste Gratisaktion geplant hat, sodass das Buch übersehen wird. Dann wieder gibt es Tage, da wird einem das Buch geradeso aus der Hand gerissen, obwohl das Buch nicht mehr neu ist und bei der letzten Gratisaktion kaum einer es haben wollte.
Oft war ich in meiner ersten Zeit unzufrieden, gereizt. Ich klickte immer wieder im Amazon-Dashboard auf Aktualisieren oder ärgerte mich gehörig, wenn etwas zunächst nicht zu klappen schien (obwohl es davor bei einem anderen Buch mühelos funktionierte!). Die große Frage aller Fragen war für mich immer: Wo ist mein persönliches Limit? Wie viel könnte ich rausholen, ohne mich allzu sehr zu verbiegen? Wie viel ist wirklich drin, wenn man Herzensprojekte schreiben mag? Klar erhält man durch jedes zusätzliche Buch, das man schreibt, eine Steigerung der Einnahmen. Aber das allein reicht nicht - man muss bereit sein, sich immer mal wieder neu zu erfinden.
Ich habe das Gefühl, im Selfpublishing muss man an allen Strängen gleichzeitig ziehen und dabei am besten noch den Überblick behalten, ohne Pause. Man muss dankbar sein für ganz kleine Erfolge, wie eben ein paar zusätzliche Euro Gewinn nach einer Gratisaktion. Man muss in winzigen Schritten denken, sonst wird man direkt die Nerven verlieren. Doch Bücher sind eine Investition: Auch ein Jahr nach ihrem Release können sie noch Geld einspielen (wenn auch bestimmt nicht mehr so viel wie in den ersten paar Monaten!)
Solange ich noch Ideen habe, was ich verbessern kann, ist es für mich schon okay, wenn der große Erfolg noch auf sich warten lässt. Solange es noch bergauf geht, besteht Hoffnung, dass es irgendwann genug sein wird. Das ist manchmal zum Haare raufen, andererseits liebe ich die Herausforderung.

Meine ersten Schritte im Selfpublishing waren super hart. Ernüchternd. Lehrreich. Aber auch spannend.
Wenn ich all das gewusst hätte, was ich jetzt weiß - ich weiß nicht, ob ich mich dann nicht für einen Kleinverlag stattdessen entschieden hätte. Dann hätte ich mit all dem Marketing und Coverdesign nicht so viel zu tun gehabt. Andererseits ist bei Kleinverlagen meist abgesteckt, dass das Schreiben ein Nebenerwerb ist - während es im Selfpublishing ja doch irgendwie die Chance auf 'mehr' gibt - irgendwann, vielleicht.
Daher möchte ich meinen Weg auch weitergehen, so wie ich ihn begonnen habe. Mit der Möglichkeit, mich stets zu verbessern. Und hey, wer weiß. Vielleicht wird das alles irgendwann mehr.
Ich will die Zusammenhänge verstehen lernen. Vielleicht schaffe ich es, aus meinen aktuellen Büchern marketingtechnisch mehr rauszuholen, und dann, wenn ich neue Bücher schreibe, direkt von Beginn an alles richtigzumachen. Vielleicht rechnet es sich irgendwann in ein paar Jahren, wenn die alten Bücher immer noch Geld abwerfen, aber zahlreiche neue dazugekommen sind. Ich denke, man wünscht sich einfach eine echte Chance für seine Bücher. Daher finde ich, trotz aller Strapazen ist es gut und richtig, es zumindest zu probieren.
Auch als Leser sieht man hinterher vieles anders. Ich bin durch das Schreiben eine echte Leseratte geworden, habe zahlreiche neue Genres entdeckt und liebe noch immer die Bücher und Herzensprojekte anderer Selfpublisher am meisten! Weil man spürt, wie viel Fleiß und Herzblut darin steckt.
Ich habe hier (anders als in meinen Büchern) noch kein Happy End für euch. Mein Schreiben bringt mir noch keine 300 Euro im Monat ein, obwohl ich ausschließlich Vollgas gegeben habe.
Ich wollte diesen Erfahrungsbericht hier trotzdem jetzt schon schreiben, damit er authentisch bleibt. Wenn der große Erfolg erst mal da ist, tendiert man vielleicht vorschnell dazu, zu vergessen, wie schwierig es war. Jetzt, wo ich das hier schreibe, erinnere ich mich noch, wie hart ich um jeden Cent Steigerung kämpfen musste! Dieser Erfahrungsbericht soll zeigen, dass das, was wir Selfpublisher leisten, knallharte Arbeit ist!
Ich will niemanden abschrecken. Möchtest auch du Selfpublisher werden? Go for it. Vielleicht wird es besser laufen. Doch vielleicht auch nicht. Vielleicht kann dich dieser schonungslose Blick auf den Markt vor der Enttäuschung bewahren. Also hier die Ansage: Ja, es wird weitergehen bei mir. Meinen ersten vier Büchern werden noch ganz viele weitere folgen!
*** ENDE ***